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Der Lebensbaum

Definitionen - Erklärungen > Die Essener

Im alten Testament, mit seiner einseitigen Betonung des Vaters im Himmel, wird dieser Baum auch beschrieben. Aber hier ist er der verbotene "Baum der Erkenntnisse", ein Symbol des Übels. Der mütterlich-irdische Aspekt des Baumes ist als bösartige Schlange abgebildet. Die Frau mit sündhaften Trieben (Eva) verführt den Mann (Adam) dazu, die Früchte des Baumes zu kosten. Die Moral ist offensichtlich: Lasse dich nicht von Frauen beeinflussen, und vermeide Menschen (wie die Essener), die an den Baum des Lebens glauben. Höre nur auf Jehova im Himmel.

Unter den sesshaften Völker der alten Zeit war die Verehrung von Bäumen weit verbreitet. Die Hebräer waren jedoch am Anfang Nomaden und auch daraus erklärt sich ihre Verachtung für Bäume. Das Wort Hebräer bedeutet übrigens soviel wie "Wüstenwanderer". Bei vielen Völkern in allen Teilen der Erde wurden Bäume als Symbole des Lebens, der Lebenskraft, der Stärke und des langen Lebens verehrt. Man pflanzte bei der Geburt eines Kindes einen Baum, der dann über mehrere Generationen als Familienbaum galt. Die Germanen glaubten auch an die Lebensesche Yggdrasil, die die ganze Welt umfasst. Sie verbindet das Land der Götter (Asgard) mit dem Land der Menschen (Midgard) und der Erde. Unter ihren Wurzeln befinden sich drei Quellen, welche die Urschöpfung, das kosmische Gedächtnis und das kosmische Schicksal darstellen. Ein allwissender Adler sitzt auf dem Wipfel des Baumes. Der Baum wird durch viele Gefahren bedroht, er gedeiht jedoch unter dem Schutz der drei Schicksalsgöttinnen.

Die Essener lebten im Einklang der Natur und den Naturgesetzen. In dieser Beziehung unterschieden sie sich wesentlich von der Lehre des alten Testaments, der zufolge die Menschen die Natur beherrschen und ausbeuten sollen. Sie sahen in ihrer Arbeit mit Pflanzen und Bäumen den Schlüssel zum Verständnis des ganzen Universums. Die Arbeit war ihre Verbindung mit der Natur, der Sonne, der Erde und dem Regen. Dadurch dass sie mit der Natur arbeiteten und nicht gegen sie, konnten sie die Lebensnotwendigkeiten durch wenige tägliche Arbeitsstunden sichern. Sie wussten viel über das Klima, die Jahreszeiten, die Wetterperioden, die Sternkunde und den Einfluss der Sterne auf Pflanzen, Tiere und Menschen. Sie hielten sich bewusst von Städten und Dörfern fern, um naturnah leben zu können. Ausserdem glaubten sie, dass sich Degeneration, Krankheit und Geisteskrankheit hauptsächlich bei solchen Menschen einstellten, die den Kontakt mit der Natur verloren haben. Der biblische Konflikt zwischen Natur und Kultur, Geist und Körper, Vater und Mutter, Mann und Frau, Yin und Yang war ihnen weitgehend unbekannt.

Die Essener waren übrigens Vegetarier, und ihre Hauptnahrung bestand aus Getreide. Sie waren Meister in der Kunst, karges Land fruchtbar zu machen und Wüstengebiete aufzuforsten. Sie standen vor Sonnenaufgang auf, und ihr erstes Gebet war der Sonne gewidmet, weswegen sie auch manchmal als "Sonnenanbeter" bezeichnet worden sind. Danach wuschen sie sich mit kaltem Wasser und nahmen das Frühstück schweigend gemeinsam ein. Bis zum Nachmittag wurde dann gearbeitet, und der Abend war der Meditation und dem Studium der Lehre gewidmet.

Durch ihre Kenntnis von Pflanzen und Heilkräuter waren sie in der Lage, die meisten Krankheiten zu vermeiden. Ein grosser Teil ihrer Lehre hatte mit Natur- und Geistheilung zu tun. Sie glaubten auch an die heilenden Kräfte der Luft, des Sonnenscheins, des Wassers und der Erde. Entgegen der Gesetze der Natur zu leben, empfanden sie als eine Sünde, die früher oder später durch Krankheit bestraft wird. Einigen Quellen zufolge bedeutet das Wort Essener "Heiler". Dass die Essener besondere Heilkräfte besassen, war damals allgemein bekannt, und zumindest einer davon wird in der Bibel ausdrücklich erwähnt: Johannes der Täufer.

Die heutigen Vertreter der Naturheilkunde finde viele ihrer Ideen durch die Lehren der Essener bestätigt. Es wird immer wieder die Bedeutung der Krankheitsverhütung betont - im Gegensatz zur modernen orthodoxen Medizin, die sich mehr auf Reparaturen bereits entstandener Schäden beschränkt. Es wird auf die Harmonie mit der Natur grosser Wert gelegt und von künstlichen und chemischen Eingriffen abgeraten. Die gesunde Ernährung durch die unverfälschten Nahrungsmittel wird als Grundlage der Gesundheit betrachtet. Die Nahrungsmittel der Essener kamen frisch vom Feld und vom Obstgarten, und viele wurden roh gegessen.

Die Essener waren der Meinung, dass das Essen des Fleisches getöteter Tiere die Menschen gefühllos, nervös, ungeduldig und krankheitsanfällig macht. Zucker war ihnen unbekannt, aber sie hätten ihn vermutlich aus denselben Gründen abgelehnt. Alkoholhaltige Getränke lehnten sie auch aus Gesundheitsgründen ab. Ihre Mahlzeiten waren einfach und bestanden gewöhnlich aus zwei oder drei Komponenten. Im übermässigen Essen sahen sie eine grosse Gefahr. Die meisten Mahlzeiten wurden langsam und schweigend eingenommen, und einmal in der Woche wird gefastet.

Ausserdem waren sie sich der Rolle des Glaubens bewusst. Sie waren sich darüber im klaren, dass man leicht psychosomatische Krankheiten entwickelt, wenn man den Kontakt zu den kosmischen Kräften verliert. Oft heilten sie einfach dadurch , dass sie den Glauben wieder herstellten. Daher kultivierten sie eine konstruktive geistige Einstellung, und sie wussten, dass sich Neid, Hass, Schuldbewusstsein, Bosheit usw. ungünstig auf die körperliche und geistige Gesundheit auswirken. Durch ihren ausgewogenen Lebenslauf und regelmässige Meditationen bewahrten sie ihre friedliche Einstellung und ihr inneres Gleichgewicht. Die fähigsten Heiler unter ihnen machten weite Reisen in alle Gegenden der alten Welt, um denen zu helfen, die ihren Glauben oder ihre Gesundheit verloren haben.
Die volle Mitgliedschaft in der Gemeinde wurde nur denen verliehen, die sich mehrere Jahre vorbereitet und ein Probejahr in einer Gemeinschaft bestanden hatten. Viele passive Mitglieder lebten auch ausserhalb in normalen Dörfern und Städten und befolgten die Lehre, so gut sie konnten.

 

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